Musikverein Übersee-Feldwies e.V.

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Klassenmusizieren

Was ist Klassenmusizieren?

Klassenmusizieren ist eine Unterrichtsmethode, in der Schülerinnen und Schüler einer ganzen Schulklasse gemeinsam und ohne Vorkenntnisse ein Instrument erlernen. Das können Keyboard, Streichinstrumente, Gitarren, Percussion- oder auch Blasinstrumente sein.

Der "etwas andere" Musikunterricht vermittelt den Kindern praktische und theoretische Kenntnisse spielerisch; dadurch bekommt der Musikunterricht Praxisbezug und eine sehr hohe Qualität. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht nötig, jedes Kind ist musikalisch genug, um mitzuspielen.

Was ist eine Bläserklasse?

In diesem Fall lernen die Kinder ein Blasinstrument im Klassenverband zu spielen. Die Besetzung orientiert sich an dem sinfonischen Blasorchester. Das Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten läuft i.d.R. für die Dauer von 2 Schuljahren, in der 3./4. oder 5./6. Jahrgangsstufe. Das Angebot ist nicht von der Schulart abhängig, d.h. es wird in Grundschulen, Hauptschulen und allen weiterführenden Schulen praktiziert.

Welche Vorteile hat mein Kind von der Bläserklasse?

Hans Günther Bastian weist in seiner Langzeitstudie „Musik (Erziehung) und ihre Wirkung“ nach, dass zweistündiger Musikunterricht, das Erlernen eines Instruments und das Musizieren im Ensemble sich äußerst positiv auf die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler auswirken. Die Untersuchung (1992-1998) belegt positive Veränderungen in folgenden Bereichen:

• soziale Kompetenz und soziale Reflexionsfähigkeit
• Intelligenz
• Konzentration
• musikalische Begabung – Leistung – Kreativität
• Angst – emotionale Labilität
• Selbstkonzept
• allgemeine Schulleistungen

„Ensemble-Musizieren fordert und fördert das Miteinander-Schaffen, das Voneinander-Lernen, das Aufeinander-Zugehen, das Füreinander-Da-Sein in der gemeinsamen Verantwortung für das Gelingen des Ganzen. Die fundamentalen sozialen Für-, Mit-, Von-, Auf- und Zueinander- Bezüge sind Merkmale und Bedingungen einer lebendigen häuslichen und gesellschaftlichen Gemeinschaft. Ein Instrument zu spielen ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Schon bei einfachsten Stücken werden Fähigkeiten des Intellekts (Begreifen), der Grob- und Feinmotorik (Greifen), der Emotion (Ergreifen) und der Sinne beansprucht. Die präzise Koordination der Hände und Finger auf Saiten oder Tasten verlangt eine ausgeprägte Feinmotorik und räumliches Vorstellungsvermögen. (Ergebnisse der neueren Hirnforschung bestätigen diese Befunde) Wenn aber Musikerziehung die Intelligenz vor allem auch kognitiv weniger entwickelter Kinder vorteilhaft fördern kann, dann folgt daraus: Eltern, die ihre Kinder in ihrer Entwicklung optimal fördern wollen, und wer wollte dies nicht, sollten ihre Jüngsten möglichst früh ein Instrument lernen lassen - und zwar das Wunschinstrument des Kindes selbst.

 

Klassenmusizieren bedeutet für die Schüler zusätzliche Zeitinvestitionen. So im Erlernen eines Instrumentes, im Üben, im Ensemblespiel oder in der Vorbereitung von Aufführungen. Ein geradezu sensationelles und für Eltern und Lehrer wichtiges Ergebnis: dieser Zeitaufwand geht ganz eindeutig nicht zu Lasten der allgemeinen schulischen Leistungen. Zu keinem Erhebungszeitpunkt sind die Leistungen der Kinder aus der Modellgruppe in den sogenannten "Hauptfächern" schlechter als die der Kinder aus der Kontrollgruppe. Der prozentuale Anteil der Kinder mit überdurchschnittlich guten Leistungen ist in der Modellgruppe oftmals höher als in der Kontrollgruppe.

Daraus ist für Eltern und Erzieher zu folgern:

"Lasst Eure Kinder musizieren, trotz und gerade wegen schulischer Durststrecken! Ein Abmelden vom Instrumentalunterricht wäre für die kindliche Entwicklung in kognitiver und emotionaler Hinsicht geradezu kontraproduktiv!“
(Hans Günther Bastian)
"Wenn wir Musik und Kunst für die Sahne auf dem Kuchen halten und nicht für die Hefe im Teig, dann verstehen wir unsere Gesellschaft falsch“
(Altbundespräsident Johannes Rau)

„Ich bin ja sehr dafür, dass jedes Kind Zugang zum Computer hat, aber vielleicht wäre es auch gut, wenn jedes Kind Zugang zu einem Musikinstrument hätte.“
(Otto Schily, deutscher Innenminister 1998–2005)

Auf guten Erfahrungen aufbauen:
Klassenmusizieren ist ein erfolgreiches Konzept, bestens belegt durch Tausende von geglückten Projekten weltweit.

 

Der Text stammt mit freundlicher Genehmigung von der
Jubiläumsstiftung Musik Hug "Kind und Musik"
aus der Broschüre Klassenmusizieren.

Mit Textpassagen aus:

Hans Günther Bastian: "Musikerziehung und ihre Wirkung"
Mainz (2000): Schott Musik International,
unter Mitarbeit von Roland Hafen, Adam Komann und Martin Koch
 

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an:

Constantin Zill:          (0 17 6) 43 33 58 58